Wissen über intuitives manuelles Behandeln

Tennisarm

Person berührt mit linker Hand eigenen schmerzenden Tennisarm rechts.

Tennisarm, Golferarm, Mausarm – klingt zunächst, als beträfe dies hauptsächlich Menschen, die über das nötige Kleingeld für teure Hobbys verfügen und / oder einer sitzenden Tätigkeit am PC nachgehen.

Tatsächlich kann jede dieser drei Arm-Beschwerden alle Menschen treffen. Vermutlich haben zwar Tennis, Golf und Computermaus diese Begriffe einst geprägt. Längst haben sie sich verstetigt und sind umgangssprachlich offizielle Symptom-Bilder der Medizin. Im Folgenden beleuchten wir die Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die Entstehung und Therapie sowie vorbeugende Maßnahmen.

Gemeinsamkeiten von Tennisarm, Golferarm, Mausarm

Alle drei Syndrome sind eine Überlastung der Beuge- bzw. Streck-Muskeln und -Sehnen im Unterarm. Sie schmerzen oft bei Bewegung, in starken Fällen auch bei Ruhe.

Bei allen dreien kann es zu Schmerzen im Handgelenk, Unterarm und Ellenbogen führen, die bis in den Oberarm ausstrahlen können.

Symptome:

Alle drei weisen einzelne oder mehrere der fünf klassischen Entzündungszeichen auf:

  1. Schmerz,
  2. Funktionsausfall,
  3. Schwellung,
  4. Rötung und/oder
  5. Wärme.

Behandlung:

Treten alle fünf Symptome auf, helfen die klassischen schulmedizinischen Empfehlungen zur Behandlung einer Entzündung:

  • Pausieren,
  • Schonen,
  • Kühlen,
  • schmerz-/entzündungshemmende Medikamente (z.B. Ibuprofen, Cortisonspritzen),
  • schienen oder bandagieren, Kinesiotape
  • sanftes Dehnen und/oder
  • Physiotherapie.

Unterschiede zwischen Tennisarm, Golferarm, Mausarm

Beim sogenannten Tennisarm, „Tennis-Ellbogen“ oder (äußere) Epicondylitis humeri radialis und Mausarm (Repetitive-Strain-Injury-Syndrom, RSI) sind die Handstrecker (med. Extensoren) betroffen, beim Golferarm, „Golfer-Ellbogen“ oder (innere) Epicondylitis humeri ulnaris die Handbeuger (med. Flexoren).

Beim Mausarm liegt die Hand auf der Maus. Durch das Bewegen und Halten der Maus werden vor allem die Streckmuskeln des Unterarms und der Hand beansprucht. Einseitiges und langes Arbeiten mit der Maus über einen längeren Zeitraum überlastet die Sehnen.

Ursachen für Tennis-, Golfer-, Mausarm

Wie kommt es nun zu einem Tennis-, Golfer- oder Mausarm, wenn Sie nicht fünf Stunden Rudern waren oder den ganzen Tag mit der Maus gearbeitet haben?

Wenn es eng wird im Zentralgeflecht

Falls Wärme, Schwellung oder Rötung nicht zu Ihrem Symptomen gehören, sind die klassischen entzündungshemmenden Methoden nicht für die Behandlung geeignet. Die Lösung liegt dann im sog. Zentralgeflecht, also im Zentrum des Körpers rund um Atmung und Zwerchfell. (Was das Zentralgeflecht ausmacht und tut, klicke hier.)

Diese lebensnotwendigen Funktionen laufen hier ab:

Vereinfacht gesagt pumpt das Herz das Blut und das Zwerchfell pumpt die Lungen mit der Luft. Das Zentralgeflecht umfasst die gesamten Brust- Bauch- und Beckenorgane. Diese Strukturen stehen mehr oder weniger miteinander über bindegewebige Anheftungen in Verbindung. Wenn nun durch Fehlbelastung oben oder unten etwas „zieht“, wirkt sich dieser Zug auf das Zentralgeflecht und die Atmung aus:

Im oberen Bereich – Schulter, Arme, Hals – liegen Nerven, die aus der Halswirbelsäule austreten. Sie bilden das Nervengeflecht, das in die Arme ausstrahlt und die Armmuskeln bewegt.

Die Ursache-Folge-Kette Atmung – Nerv – Muskel

Eine Störung im Zentralgeflecht kann die Beweglichkeit dieser Nerven behindern und sie sogar einklemmen. Leider mögen Nerven Druck und Kompression nicht. Ein anhaltender Druck auf einen Nerv bewirkt, dass der Nerv irritiert wird und Impulse aussendet: Der Arm „denkt“, er solle etwas tun, und aktiviert die entsprechende Muskulatur. Diese wird in der Folge schlechter durchblutet und schmerzt. Das passiert, weil das falsche Signal vom Nerv die Muskulatur ohne Unterbrechung anspannt. Der Schmerz kann sich fortsetzen in Schultern oder Händen.

Je nachdem, wo welche Stelle des Nervs gedrückt wird, äußert sich das in einer anderen Form – Tennis, Golf oder Maus: Bei Tennis-/Mausarm ist die äußere Muskulatur des Unterarms betroffen, bei einem Golferarm die innere.

Diese drei Engpass-Stellen können mit daran schuld sein:

1. Die Atemhilfsmuskulatur, die Scalenus-Muskeln. Sie bilden eine V-förmige Lücke, durch die ein Nerv hindurchzieht.

2. Der Nerv läuft weiter zwischen Schlüsselbein und 1. Rippe. Auch hier übt die Scalenus-Muskulatur Einfluss auf die knöcherne Engstelle aus. Die 1. Rippe wird auch bei der Atmung bewegt, sie hebt und senkt sich.

3. Die Pectoralis-minor-lücke im Bereich der Schulter. Der Pectoralis minor zählt ebenfalls zur Atemhilfsmuskulatur bzw. ist ein Brustmuskel: Er ist haltungs- und atemwirksam und verursacht gekrümmte Rundhaltung mit den Schultern weit vorn. Verspannungen in diesem Bereich können auch die Armnerven beeinträchtigen.

Diese Art von Tennisarm wird meist klassisch mit Spritze, Spange u.Ä. behandelt, was das Problem aber nicht behebt. Was hilft: Die Engpässe müssen geweitet und entspannt werden. Es geht um einen Nerv, der einen lange Weg zurücklegt und dabei drei Engstellen passiert:

Auch eine ungünstige Atmung kann die Problemursache von innen manifestieren, ohne dass wir es merken (wir nennen das reaktive Eigensabotage und unterscheiden dabei zwischen den drei Atemformen Ankeratmung, Bogenatmung und Diagonalatmung).

Welche Salbe hilft?

  • Pferdesalbe
  • Teufelskralle
  • Traumeel
  • Voltaren

Diese Klassiker eignen sich bei einer echten Entzündung. Liegt das Problem nicht im Arm und ist eine funktionelle Erkrankung, helfen Salben nicht (es sei denn, sie erzielen einen Placebo-Effekt). Nerv und Gefäße, die die Engstellen durchlaufen, müssen frei sein. Und dies erreichen wir mit einer freien Atmung.

Wie lange sollte ich den Tennis-, Golfer- oder Mausarm ruhigstellen?

Das hängt von der Art der Beschwerde ab:

  • Bei einer echten Entzündung: wenige Tage bis mehrere Wochen.
  • Bei einem funktionellen Problem: Eine Ruhigstellung hilft nicht, eher Aktivität und moderate Bewegung.

Was kann ich selber tun?

Es helfen alle möglichen Formen der Mobilisierung:

  • Armkreisen
  • Atemübungen
  • Dehnung der Halswirbelsäule
  • Kontrolle der Sitzposition (Ergonomie)
  • Mobilisierung der Brustwirbelsäule (die hier verlaufenden Nerven nehmen direkten Einfluss auf die Arme)
  • Steh- und Gehpausen
  • Unterbrechung von längerem Sitzen

Tritt dennoch keine Besserung ein, suchen Sie einen Osteopath oder eine Osteopathin auf. Dann eignet sich die Methode Lockieren® zur Behandlung.

Wann zu welchem Arzt?

Sobald Sie die Schmerzen als zu stark empfinden, keine Maßnahmen greifen und / oder Entzündungszeichen vorliegen, suchen Sie Ihren Hausarzt / Orthopäden auf.

Bei funktionellen Beschwerden raten wir zum Gang zur Osteopathie.

Prävention:

Damit die Beschwerden nicht mehr auftreten,

  • sollten Probleme und Blockaden der Halswirbelsäule und oberen Brustwirbelsäule (Rotation, Bewegungseinschränkung) behoben werden.
  • müssen Verspannungen und Bewegungseinschränkungen des Zwerchfells gelöst werden, damit es sich wieder harmonisch bewegen kann und das Zentralgeflecht eine stimmige Spannung aufweist .
  • ist eine gesunde Körperhaltung wichtig – arbeiten Sie dafür an evtl. vorhandenen Muskeldefiziten und trainieren Sie die Rumpfmuskulatur, die ermöglicht, gerade zu stehen und zu sitzen.
  • sollten Sie mit Atemübungen Muskeln und Zwerchfell trainieren.
  • überprüfen Sie Sitz- und Stehpositionen im Auto, bei der Arbeit, am Computer.
  • sollten Sie zwischen echten Entzündungen und funktionellen Beschwerden unterscheiden können: Wenn bei funktionellen Beschwerden der Tennis-, Golf- oder Mausarm das vermeintlich verspannte Gewebe an Ellbogen / Arm behandelt wird, ist dies oft schmerzhaft und ohne eine langfristige Wirkung.

Übungen für den Ellbogen

Dehnen der Armmuskulatur wird oft empfohlen. Hilft es spürbar und wird nachhaltig in einem Zeitraum von zwei Wochen besser, dann weitermachen bis die Beschwerden verschwunden sind. Dehnübungen des Armes selbst funktionieren nicht, wenn die Ursache im Zentralgeflecht sitzt.

Selbst-Test und was hilft gegen Tennisarm?

Mann, der seinen rechten Ellbogen mit der linken Hand umschließt und wegen Schmerzen das Gesicht verzieht. Ein Tennisarm hat verschiedene Ursachen und Ausprägungen. Auch die erfolgreiche Behandlung ist davon abhängig.
Um die erfolgreiche Therapie bei Tennisarm zu finden muss klar sein, ob es sich um einen „echte“ oder „funktionellen“ Tennisarm handelt.

Der „echte“ Tennisarm

Ist es ein „echter“ Ellbogen?

Ich habe viel gearbeitet, es ist sehr überlastet und alle fünf Entzündungszeichen liegen vor. Die Lösung ist dann Pause, Kühlung, Schonen, ggf Schmerzmittel, auch nach der Akutphase Physiotherhapie, ggf  in besonders schweren Fällen eine Cortisonspritze durch den Orthopäden.

Auch bei Kühlung, Schonung oder Medikamenten wird es nicht besser? Dann lohnt sich der Besuch beim Osteopathen.

Der „funktionelle“ Tennisarm

Habe ich zuletzt hart körperlich gearbeitet? Liegen alle 5 Entzündungszeichen vor – oder ist es nur schmerzhaft und die Funktion fällt aus / es fühlt sich verspannt an und fest?

Hier liegen nicht alle Entzündungszeichen vor und wahrscheinlich ist eine funktionelle Erkrankung? Dann liegt die Ursache im sog. Zentralgeflecht, dem Zentrum des Körpers rund um Atmung und Zwerchfell. Was das Zentralgeflecht ausmacht und tut, klicke hier.

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