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Was Osteopathen fühlen

Auschnitt von zwei Händen, die eine in Bauchlage liegende Patientin befühlen und sich ein "Bild" von der Gewebequalität verschaffen.

Mit den Händen sehen

Das wichtigste Werkzeug eines Osteopathen sind die Hände und der Tastsinn. Bei der Osteopathie wird, anders als in der Schulmedizin, nicht mit bildgebenden elektronischen Verfahren gearbeitet. Stattdessen verschafft sich der Behandler ein „Bild“ vom Körper des Patienten mit den Händen. In der Medizin und ihr verwandten Disziplinen nennt man die Untersuchungsmethode mit den Händen „Palpation“, von lat. palpare = streicheln. Hier beleuchten wir die facettenreiche Welt der Dinge die Osteopathen fühlen können.

Die osteopathische Palpation. Wie Berufserfahrung mit der Wahrnehmung verbunden ist. Grafik: Fabian Müller
Die osteopathische Palpation. Wie Berufserfahrung mit der Wahrnehmung verbunden ist. Grafik: Fabian Müller

Die drei Wahrnehmungsebenen

Strukturebene

Was Osteopathen bei der Palpation fühlen, ist abhängig von der Wahrnehmungsfähigkeit. Im Laufe der Berufserfahrung wächst die Fähigkeit, Gewebe zunehmend differenzierter zu ertasten. Die Basis bildet die Strukturebene.

Zur Strukturebene zählen Gewebe, die „offensichtlich“ ertastet werden können: Haut, Gelenke, Knochen, Muskeln, Faszien, Sehnen, Membranen, Nerven, Bindegewebe und Organe. Auch wenn diese Strukturen zur Basisebene zählen, ist ein einfaches Differenzieren oft schwierig und erfordert besonderes Fingerspitzengefühl.

Fluidebene

Auf der nächsthöheren Ebene, der so genannte Fluidebene, werden Qualitäten wie Fluss, Strömungsgeschwindigkeit, Widerstand und Dichte bewertet. Darunter fallen Gebilde, die mit Flüssigkeit gefüllt sind, wie arterielle, venöse oder lymphatische Gefäße.

Der Schädel und das Rückenmark kann in Teilen zur Fluidebene hinzugezählt werden. Innerhalb dieser Gefüge zirkuliert die Gehirn-Rückenmark(s)-Flüssigkeit, der Liquor cerebrospinalis. Bei der Palpation von Flüssigkeiten kommen erschwerend Rhythmus und Fluss hinzu. Dies kann man sich wie die Bewegung der Gezeiten am Strand mit Ebbe und Flut vorstellen.

Metaebene

Eine weitere Ebene ist die Metaebene. Hier spürt man energetisch-körperliche Phänomene beziehungsweise Ströme. Jegliche Resonanz auf der feinstofflichen Ebene zwischen Osteopath und Patient fallen in diese Kategorie.


Fazit

Um die Kunst der Palpation auf allen Ebenen zu verbessern, ist ständiges Training am lebenden Menschen notwendig. Die Qualität des Handwerkszeugs Palpation nimmt zu, je mehr praktische Erfahrung der Osteopath damit hat, wie sich gesunde und kranke Gewebe anfühlen.

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