Wissen über intuitives manuelles Behandeln

Knieschmerzen durch ungünstige Atmung

Schmerzen der Knie können durch eine ungünstige Atmung ausgelöst werden. Das Bild zeigt eine Person die Ihre Knie mit den Händen stützt.

Sie überlegen, ob ein Besuch in einer osteopathischen Praxis Ihnen Hilfe und Klarheit bringen kann? Wir haben hier einen konkreten Behandlungsablauf an einem Beispielpatienten entworfen, der unter hartnäckigen Knieschmerzen leidet. Wir erklären, wie das Ganze von einer ungünstigen Atmung erzeugt wird.

Patient, männlich, 38, normalgewichtig, macht zwei- bis dreimal pro Woche moderaten Ausdauersport (Radfahren und Joggen), einmal pro Woche Krafttraining. Er ist Nichtraucher und geht einer sitzenden Bürotätigkeit nach.

Er kommt in die Praxis mit Knieschmerzen, die seit fünf Monaten anhalten. Manchmal treten sie direkt bei der (sportlichen) Belastung auf, manchmal später, und halten zwei bis drei Tage an. Klar ist: Sie verschlechtern sich unter Belastung.

Die Untersuchung bei seinem Hausarzt ergab: Er hat eine einseitige Verspannung der Oberschenkelmuskulatur. Sein Orthopäde diagnostizierte zudem eine Beinlängendifferenz und verschrieb Einlagen sowie Massage.

In den ersten vier Wochen der Behandlung trat eine Verbesserung ein, ehe die Beschweden zurückkehrten. Das Röntgenbild war jedoch ohne Befund, ein MRT laut Orthopäde noch nicht notwendig. Massieren des Oberschenkels und des Rückens half nur sehr kurzfristig. Auch Hausmittel wie Ruhigstellen oder Temperaturanwendungen mit Kälte und Wärme taten nur kurzzeitig gut und hatten keinen anhaltenden Effekt. Die Physiotherapie hat nur 

Der Patient war ratlos und verunsichert. Er suchte eine osteopathische Praxis auf, in der Hoffnung, hier Antworten und nachhaltige Verbesserung zu finden.

Die Diagnose

Der Osteopath findet nun eine Blockade zwischen den Schulterblättern und eine Verspannung der Brustmuskulatur, ausgelöst durch die langfristige gekrümmte Schreibtischhaltung.

Ergebnis: Der Grund für die anhaltenden Knieprobleme liegt in der Atmung.

Zwechfell und Knieschmerzen

Der erstaunliche Zusammenhang zwischen Atmung und Kniebeschwerden:

Im Fall unseres Patienten verläuft die Atemachse schräg. Hierfür ist das Zwerchfell als unser wichtigster Atemmuskel und Hilfsmotor des Herzens verantwortlich. Seine problemlose, geschmeidige, balancierte Bewegung ist essenziell für den ganzen Körper.

Wichtig zu wissen: Durch das Zwerchfell laufen viele wichtige Muskeln und Nerven. Ist es Zwerchfell verspannt oder spannt „schief‟, zieht sich diese Spannung durch die durchlaufenden Nerven und Muskeln bis in entfernter liegende Regionen wie Hüftbeuger oder Becken.

Für den so entstehenden Beckenschiefstand hat der Orthopäde in unserem Beispiel Einlagen verschrieben. Diese beheben nicht die Ursachen, sondern lindern – meist nur kurzfristig – die Symptome. Auch Massage geht nicht weit genug.

Die Ursache

Der Schmerz im Knie erklärt sich so, dass der Oberschenkel eine erhöhte Muskelspannung hat. Die Kniescheibe bekommt dadurch viel mehr Druck, als sie eigentlich verträgt. Wenn wir dann durch Sport das Knie zusätzlich belasten, entstehen Probleme – hier äußern sie sich durch Schmerzen.

Die Schreibtischhaltung lässt dem Zwerchfell nicht den benötigten Raum, um sich ausreichend auszudehnen. Stattdessen wird immer etwas eingeklemmt. Auch die Blockade oder Verspannung im Bereich der Schulterblätter wirkt indirekt auf das Zwerchfell:

Das Zwerchfell ist mit dem Herzbeutel (Pericard) verbunden, der wiederum teilweise oben an der Brustwirbelsäule klebt. Das heißt in der Praxis: Verspannungen des Brustkorbes und Blockaden der Brustwirbelsäule und Lendenwirbelsäule behindern die Zwerchfellbeweglichkeit.

Wir suchen also nach Faktoren, die die Zwechfellbewegung negativ beeinflussen. Haben wir die einmal gefunden haben, können wir sie beheben. Aufgelöste Verspannungen lindern insgesamt Schmerzen.

Eine Sitzung bei unserem Beispielpatienten mit lang anhaltenden Knieschmerzen könnte also so ablaufen:

Anamnese
Osteopath und Patient lernen sich kennen, es erfolgt die Anamnese [LINK].

Sichtbefund

Nun nimmt der Osteopath einen sogenannten Sichtbefund vor: Fällt allein durch das Betrachten etwas auf? Gibt es sichtbare Abweichungen von der Mitte, ist eine Schonhaltung erkennbar?
→ Ganz wichtig: Die Atmung untersucht der Osteopath sowohl durch Sichtbefund als auch durch Palpieren (Ertasten). Wie ist die Symmetrie? Gibt es Abweichungen auf der einen oder anderen Seite?

Palpation

Im dritten Schritt erfolgt das [Palpieren]: Der Osteopath untersucht durch Berührung den gesamten Körper des Patienten im Stand, dann im Sitzen und zuletzt im Liegen. Er will ermitteln, ob Spannungen vorliegen, und untersucht Becken, Schultergürtel, Wirbelsäule.
→ Gibt es Auffälligkeiten? Liegen deutliche Spannungen vor, die durch den Körper durchziehen – etwa in Kopf, Beinen, Wirbelsäule? Solche Spannungen sind in der Regel Verbindungen, die der Betroffene nicht selbst spürt, aber von außen aufzuspüren sind. Wir wissen: Alles ist mit allem verbunden (Zentralgeflecht, Spannungskommunikation)

Entspannung

Eine übermäßig angespannte Brustmuskulatur entspannen wir, damit der Brustkorb vorne wieder ausgewogen ist und sich ungehindert aufrichten und bewegen kann. Wir gehen in die Tiefe für eine Entspannung an der Oberfläche und eine tiefe Entspannung der Herzaufhängung und Zwechfellverbindung. Dann überprüfen wir als erstes, ob die Atemachse wieder ausgewogen ist. Dies geschieht durch kurze Palpation und Rebefundung, um den Therapiefortschritt zu erkennen.

Untersuchung Hüftbeuger

Wenn alles stimmt, gehen wir weiter nach unten Richtung Knie und überprüfen die Hüftbeuger. Sie sind direkt mit dem Zwerchfell verbunden und sind Kraftüberträger ins Becken hinein. Harmonie ist hier daher sehr wichtig. Gegebenenfalls behandeln wir die Lendenwirbelsäule, an der die Hüftbeuger befestigt sind.

Oberschenkel

Falls nötig, widmen wir uns zuletzt den Muskeln und Faszien im Oberschenkel. Von einer Entspannung im Oberschenkel profitier das betroffene Knie zusätzlich.

Wir verfolgen also immer die Spannung von der Ursache bis zur Schmerzstelle über alle Muskeln, Nerven, Gelenke und Organe hinweg – und haben dabei immer das große Ganze im Blick.

Die Ursache von funktionellen Beschwerden (in unserem Falle die Knieschmerzen) liegt nicht dort, wo es schmerzt. Sie ist angesiedelt im Zentralgeflecht – ausgelöst durch Reaktive Eigensabotage, eine Blockade oder eine schiefe Atemachse, die sich nicht immer von alleine korrigiert. Der Körper reagiert mit einer Anpassung auf das Problem und leitet die Spannung vom Herz und Atembereich ab in weniger überlebenswichtige Bereiche.

Den Osteopathen interessiert die Tatsache, dass ein Schmerz vorliegt, viel weniger als dessen Ursache. Denn für eine nachhaltige Besserung der Beschwerden müssen wir deren Ursache beheben.

Dieses Beispiel dient der Veranschaulichung, wie eine osteopathische Sitzung ablaufen könnte.


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