Wissen über intuitives manuelles Behandeln

Ujjayi

Ausschnitt einer linken weiblichen Gesichtshälfte. Die Rechte Hand wird schützend rechts neben den Mund gehalten, so als würde die Frau flüstern. Bei Ujjayi, der Reibelautatmung wird ein flüsternder monotone Ton beim Ein- und Ausatmen erzeugt.

Ujjayi, ausgesprochen „udschaii“ und bekannt als die „siegreiche Atmung“ oder Reibelautatmung, ist eine Yogatechnik, die den Geist beruhigt und die Atmung vertieft. Indem du deinen Atem hörbar machst, erhältst du direktes Feedback, das deine Achtsamkeit und Präsenz während der Übung steigert.

Ujjayi gehört zu den verfeinernden und zentrierenden Atemtechniken, die sowohl die Atmung verlängert als auch die mentale Klarheit steigert. Sie ist besonders nützlich, um die Verbindung zwischen Bewegung und mentaler Kontrolle durch den Atem zu stärken.

Die Atemtechnik beinhaltet ein sanftes Verengen der Stimmritze beim Ein- und Ausatmen, was einen beruhigenden Klang ähnlich dem Meeresrauschen erzeugt. Dies hilft, die Atmung sanft zu vertiefen, das Atemvolumen zu erhöhen und achtsamer langsam zu Atmen.

Vielfältige Wirkung

Die Ujjayi-Atmung wirkt sich durch ihre vielfältigen Effekte positiv auf die Atemfunktion und den Kehlkopfbereich aus. Einerseits vertieft und beruhigt sie die Atmung, stärkt das Zwerchfell und fördert die Sauerstoffversorgung des Körpers. Andererseits heißt es in der Yogaliteratur, sie helfe bei Verschleimungen im Hals- und Kehlbereich, befreie die Atemwege und sorge für klareres Atmen.

Verbesserung von Stimme und Phonation

Darüber hinaus hat die Ujjayi-Atemtechnik auch einen Einfluss auf die Phonation, also den Prozess der Stimmlippenschwingung, der für die Stimmerzeugung verantwortlich ist, sowie auf die Resonanz im Körper. Die sanfte Vibration, die durch diese Atemtechnik erzeugt wird, hilft, die Stimmbänder zu trainieren und zu mobilisieren. Dies ist besonders vorteilhaft für Menschen, die dazu neigen, schnell heiser zu werden, weil sie nur „aus dem Hals“ statt aus dem Bauch heraus sprechen. Die Ujjayi-Atemtechnik fördert eine tiefe Zwerchfellatmung, die entscheidend für eine gesunde Stimmbandfunktion und eine klare, resonante und durchsetzungsfähige Stimme ist.

Förderung der Achtsamkeit durch Atemwahrnehmung

Nicht zuletzt spielt die Ujjayi-Atemtechnik eine zentrale Rolle in der Achtsamkeitspraxis. Indem sie dich dazu anhält, den Atem bewusst wahrzunehmen, hilft sie, den „Affengeist“ – der ständig herumspringt – zu beruhigen und das ständige Gedankenkarussell zu stoppen. Die Übung macht die Qualitäten des Atems – hörbar, spürbar, fühlbar – besser wahrnehmbar also und fördert so die Achtsamkeit. Das langsame, bedachte Atmen ist an sich schon eine Übung in Achtsamkeit, die zur inneren Ruhe und Klarheit beiträgt und deinen Geist auf den gegenwärtigen Moment zentriert.

Beginne in einer bequemen Position, egal ob sitzend oder stehend, mit geradem Rücken. Achte auf eine entspannte Atmung und flüstere zunächst leise, um ein Gefühl für die Verengung der Stimmritzen zu bekommen.

Wechsle dann zur Nasenatmung und erzeuge dabei den charakteristischen Klang in deiner Kehle. Der Ton sollte sanft und beruhigend sein – wie ein Meeresrauschen, ohne dass du dich anspannst. Verringere allmählich die Lautstärke und entspanne deine Atmung weiter, indem du die Zunge sanft an den Gaumen legst und den Mund schließt.

Wenn sich das erzeugte Geräusch wie das Atmen von Darth Vader aus Starwars anhört, so ist dies eine Anzeichen für allgemein erhöhte Körperliche Spannung, die sich eben auch auf deine Stimmbänder überträgt. Probiere dich dann noch weiter zu entspannen, bis aus dem Geräusch ein sanfter Klang wird. Der Klang gibt dir die Rückmeldung über den Spannungszustand der Stimmbänder.

Pausiere bei Bedarf und beende Ujjayi mit einigen Minuten der passiven Atembeobachtung.

Ujjayi sollte nicht erzwungen oder mit zu viel Anstrengung praktiziert werden, da dies zu unnötiger Verspannung führt. Personen mit Atemwegserkrankungen oder Entzündungen im Kehlbereich sollten auf die Durchführung verzichten.


Zurück zur Liste aller Atemübungen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Entdecke mehr von Osteopathie verstehen

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen