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Faszien

Querschnitt eines Muskels mit einem Muskelbündel und einzelnen Muskelfasern. Die Faszie ist wie ein umgebendes Netz um jede einzelne Muskelfaser gehüllt. Dies zeigt wie wichtig die Faszien für unseren Bewegungsapparat sind.

Faszien sind die oft verkannten Superheldinnen unseres Körpers. Ohne sie könnten wir weder gehen noch stehen – trotzdem vernachlässigen wir sie oder ignorieren sie völlig. Was Faszien können, was sie mögen und warum sie anders als Muskeln ticken, lest Ihr in diesem Glossarbeitrag.

Faszien sind Teil des Bindegewebes. Schulmedizinisch betrachtet ist eine Faszie eine „bindegewebige Muskelhülle“. Alte Medizinbücher vergleichen sie gerne mit dem weiß-silbrigen Häutchen auf einem Hühnerfilet, das getrost weggeschnitten werden kann – quasi wertloser Abfall.

Heute sind wir viel weiter und wissen: Fasziengewebe umkleidet jede einzelne Muskelfaser. Das kannst Du Dir wie eine gelartige, feuchte Zuckerwatte vorstellen. Zuckerwatte verliert ihre „Fluffigkeit“, wenn wir sie zusammendrücken.

Genau so verhält sich eine Faszie: Verklebt sie, verändert sich ihre Struktur, sie wird trockener und weniger elastisch. Dadurch verliert sie ihre Bewegungs-Eigenschaft.

Obwohl es fälschlicherweise noch oft so geschildert wird, ist Bindegewebe keineswegs passiv, sondern aktiv am Bewegungsgeschehen beteiligt.

Aufgaben

Die Faszie ist das Gewebe, das Muskeln miteinander verbindet. Sie ermöglichen uns, komplexe Bewegungen auszuführen, bei denen es auf das Zusammenspiel von Muskeln ankommt:

Damit eine Tennisspielerin den Tennisball mit hoher Geschwindigkeit über das Netz schmettern kann, muss sie ihn im idealen Moment mit der perfekten muskulären Anspannung treffen.

Das ist nur möglich, wenn der Körper optimal von den Zehenspitzen bis zum Schläger die Energie abgeben kann. Zuständig für die Steuerung dieser Bewegungsabläufe sind die Faszien.

Zwei Beispiele

Fasziengewebe sorgt für Effizienz. Zwei Beispiele zeigen dies anschaulich:

  • Ein Känguru spart an Energie, wenn es geschmeidig hüpft. Langsames Gehen hingegen strengt es mehr an. Beim Springen kann es seine dynamische Energie besser entladen, indem die Faszien in den Beinen sich beim Abspringen und Landen an- und entspannen.
  • Beim Shoppen fühlen wir uns überraschend schnell erschöpft, weil das ständige Stop & Go uns ermüdet. Wir bleiben nicht im “Flow”, und das mögen Faszien gar nicht. So können Verspannungen, meist auf der Körperrückseite, entstehen. Faszien können dann ihrer Aufgabe, Spannung zu verteilen, nicht mehr nachkommen.

Obere Schicht

Entlang der Körperoberfläche läuft eine Faszienschicht aus mehreren Ketten.

Mittlere & tiefe Schicht

Die mittlere und tiefe Schicht bilden nach Logik dieser Website das sog. Zentralgeflecht.

Die mittlere Schicht liegt im Körperstamm (Bindegewebe zwischen den Organen). In der tiefen Schicht liegt die Membran innerhalb der Wirbelsäule, die direkt mit dem Gehirn verbunden ist. Faszien sind somit essenzielle Informationskanäle.

Im Fasziengewebe finden wir oft die Lösung für bestimmte Probleme. Denn durch die Faszienverkettungen sind der Ort, an dem Schmerzen entstehen, und der Ort, an dem der Schmerz empfunden wird, häufig nicht identisch.

In der Osteopathie achten wir darauf, dass diese Faszienverkettungen untereinander gut funktionieren und frei beweglich sind.

Als Osteopathen lösen wir manuell diese Einschränkungen: entweder innerhalb von Faszien selbst oder innerhalb von Faszienketten. Davon profitiert der ganze Körper.

Trinken

Faszienstrukturen – wie alles Bindegewebe – brauchen viel Wasser, um geschmeidig zu bleiben. Sie verfügen über zahlreiche Rezeptoren und erfüllen weitaus mehr Aufgaben, als wir bisher angenommen haben.

Training

Eine Faszienrolle kann helfen, die Faszien lang und geschmeidig zu halten. Bitte informiere Dich gut, wie Du eine Faszienrolle korrekt anwendest, um davon zu profitieren. Viele Fitness- und Gesundheitsstudios bieten Faszienyoga, Faszientraining oder faszienfreundliche Gymnastik unter verschiedenen Namen an, teilweise gegen (ggf. anteilige) Kostenübernahme durch Deine Krankenkasse.

Das mögen Faszien gar nicht

Fasziengewebe reagiert auf unsere Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Es spannt dann übermäßig an, weswegen auch für Faszienstrukturen Entspannung wichtig ist. Dies passiert besonders, wenn der Stress mittel- und langfristig anhält (lese hier weiter: Stress als Problem)

Es gibt einen elementaren Unterschied zwischen Faszien und Muskeln:

Einer der größten Unterschiede besteht darin, dass Muskeln sich elastisch zusammenziehen und verlängern können, während Fasziengewebe plastisch ist. Verformungen bleiben bei Faszien länger bestehen, sie „springen“ nicht so schnell zurück in ihre Ursprungsform.

Bei Stößen oder Verletzungen kann diese Verformung sogar dauerhaft bestehen bleiben – dann ist der verletzte Muskel selbst wieder ausgeheilt, die Faszie aber nicht und muss ggf. osteopathisch gelöst werden.


Für noch mehr Infos rund um die „Faszienwelt“ empfehlen wir die Seite fasciaresearch.de

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