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Atemmuskeln

Notizzettel mit Aufschrift „Take a deep breath“, angepinnt auf Korkwand mit zwei Nadeln. Zum einatmen benötigen wir Atemmuskulatur.

Bei den Muskeln der Atmung unterscheiden wir zwischen Ausatem- und Einatemmuskeln. 

Der Hauptmuskel der Einatmung ist das Zwerchfell (lat. Diaphragma). Es pumpt die Lungen durch seine konstante Kontraktion. Wo das Zwerchfell liegt, wie es arbeitet, was es leistet und welche Beschwerden damit verknüpft sein können, lest Ihr hier → Zwerchfell

An der Einatmung immer beteiligt sind die Zwischenrippenmuskeln, die musculi intercostalis externi. Diese kleinen Muskeln liegen zwischen den Rippen und heben den Brustkorb an, so dass sich sein Volumen vergrößert.

Atemhilfsmuskeln für die Einatmung

Zwerchfell und Zwischenrippenmuskeln werden unterstützt von diversen Atemhilfsmuskeln:

Diese kommen unter großer Anstrengung zum Einsatz und helfen bei Bedarf mit, im Idealfall nur vorübergehend. Sie sind nicht für den Dauereinsatz gedacht: 

Die Hilfsmuskeln erlauben den Hauptatemmuskeln, eine Zeitlang etwas kürzer zu treten, und übernehmen einen Teil deren Arbeit. Sie sollten nur im Notfall „anspringen“, da sie vorrangig andere Funktionen im Körper erfüllen, denen sie sonst nicht mehr vollumfänglich nachkommen können.

Daher ist eine Atmung, die sich zu sehr auf die Atemhilfsmuskulatur stützt, oft Ursache für funktionelle Beschwerden. 

Das sind unsere Atemhilfsmuskeln:

  • Musculi levatores costarum (Rippenheber)
  • Musculus erector spinae (Rückenstrecker)
  • Musculi scaleni (Treppenmuskeln)
  • Musculus serratus anterior (vorderer Sägemuskel)
  • Musculus serratus posterior inferior (hinterer unterer Sägemuskel)
  • Musculus serratus posterior superior (hinterer oberer Sägemuskel)
  • Musculus pectoralis minor und [bei aufgestütztem Arm] (großer und kleiner Brustmuskel)
  • Musculus sternocleidomastoideus (großer Kopfwender / Kopfnicker)

Folgende Atemhilfsmuskeln möchten wir Euch nach Region näher vorstellen:

Wirbelsäulennah

Die Musculi levatores costarum helfen bei der Aufrichtung der Wirbelsäule und unterstützen dadurch den Musculus erector spinae. 

Der Musculus erector spinae hilft bei der Aufrichtung der Brustwirbelsäule. Zusammen mit den Musculi levatores costarum bilden sie die Bewegung beim Einatmen ab, bei der wir uns immer automatisch ein wenig strecken. Der Musculus erector spinae ist der Hauptaufrichter der Wirbelsäule. Allein durch seine Tätigkeit wird die Einatmung entscheidend unterstützt.

Die Musculi scaleni sind oft die ersten, die bei Problemen mit der Atmung, weit vom Zwerchfell entfernt, verspannen. Sie machen seitlich an der Halswirbelsäule fest, von wo sie zu den obersten beiden Rippen ziehen. So verbinden sie die Halswirbelsäule mit der ersten und zweiten Rippe.

Das bedeutet: Wenn sie anspannen, heben sie die Rippen und helfen so der Einatmung. Wenn sie jedoch verspannen, passiert genau das Gegenteil – die Rippen können blockieren, bewegen sich nicht mehr und sorgen für Probleme der Halswirbelsäule. Dies manifestiert sich in der Regel in Nackenbeschwerden.

Weitere Probleme können in der oberen Extremität entstehen (Schulter, Arm, Ellbogen, Hand). Der Grund: Durch die fächerförmige Scalenus-Muskulatur laufen Nerven und Gefäße, welche die obere Extremität versorgen durch die sog. Scalenuslücken.

Vorderer Schultergürtel

Kleiner und großer Brustmuskel oder Musculus pectoralis minor et major bewegen im Normalfall die Arme beim Drücken wie etwa der Liegestütze. Diese Funktion kehrt sich um, wenn wir die Haltung des „Kutschersitzes“ einnehmen (wie auf einem Stuhl sitzend, dabei Arme auf den Oberschenkeln aufgestützt): 

Die Arme sind fixiert, jetzt hilft die Muskulatur bei der Einatmung. Durch seine Fixierung mit Brust- und Schlüsselbein sowie dritter bis fünfter Rippe heben die Muskeln den Brustkorb an, weil sie nicht mehr mit den Armen beschäftigt sind. So bleibt gewissermaßen Raum für eine Mitarbeit bei der Atmung. 

Der Musculus sternocleidomastoideus verläuft seitlich vom Brustbein bis hinter die Ohren. Dadurch findet bei einer Kontraktion eine geringe, aber merkliche Hebung des Brustkorbs statt.

Normalerweise dient er dazu, den Ursprung am Brustbein zu fixieren. Spannt er an, dreht oder neigt er den Kopf. Bei Problemen mit der Atmung verschiebt der Körper im Sinne des Überlebens seine Prioritäten: Nun liegt der Fokus auf der Hebung des Brustkorbs, um bei der Atmung zu helfen. Verspannungen im Nacken oder Kopfschmerzen können die Folge sein.

Weitere Atemhilfsmuskeln sind der

  • Musculus serratus anterior (vorderer Sägemuskel)
  • Musculus serratus posterior superior (hinterer oberer Sägemuskel)
  • Musculus serratus posterior inferior (hinterer unterer Sägemuskel).

Sie sind für unsere Einatmung bisweilen wichtig, spielen aber mit Blick auf die osteopathische Behandlung von funktionellen Beschwerden eine untergeordnete Rolle und werden daher hier nicht näher beleuchtet.

Generell: Die Ausatmung geschieht zum größten Teil passiv durch elastische Rückstellkräfte. Denn während bei der Einatmung aktiv Muskeln kontrahieren, ist die Ausatmung hauptsächlich durch ein Loslassen (Entspannung) geprägt.

Es gibt aber auch Ausatem-Muskulatur, die den Ausatemprozess aktiv durch Kontraktion durchführt. Auch sorgen manche Ausatem-Hilfsmuskeln dafür, dass wir schneller ausatmen können. 

Hauptausatemmuskeln

Die Musculi intercostales interni verlaufen entgegengesetzt den Musculi intercostales externi zwischen den Rippen in der Brustwand. Wenn sie sich kontrahieren, senken sie die Rippen und verengen den Brustkorb, wodurch sie die Ausatmung fördern. 

Auch die Musculi subcostales haben zur Hauptaufgabe, den Brustkorb zu verengen und die Ausatmung zu fördern, verlaufen aber anders als die Mm. intercostales interni. 

Zu den Ausatemhilfsmuskeln zählen:

  • alle Bauchmuskeln (M. obliquus externus abdominis, M. obliquus internus abdominis, M. transversus abdominis und der M. rectus abdominis)
  • der Große Rückenmuskel (M. latissimus dorsi),
  • der M. quadratus lumborum: Seine Hauptfunktion ist die Neigung des Rumpfes zur Seite und das Senken der 12. Rippe. Er dient als Gegenzug zum Zwerchfell, das ebenfalls an der 12. Rippe ansetzt, was für die Stabilisierung der unteren Rippen bei der Einatmung wichtig ist.
  • Musculus transversus thoracis

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