Wissen über intuitives manuelles Behandeln

Physiological Sigh

Blonde Frau mit rotem Oberteil und steht vor weißer holzvertäfelter Wand und spitzt die Lippen bei der Atemtechnik des Physiological Sigh.

Der Physiological Sigh (Physiologischer Seufzer) ist eine Atemtechnik, die auf der natürlichen Fähigkeit des Körpers basiert, Stress und Anspannung durch eine spezifische Atemweise zu regulieren. Mit dieser Atemtechnik kannst du auch während einer laufenden Tätigkeit eine schnelle Entspannung erreichen. Bekannt gemacht hat sie der Neurowissenschaftler Andrew Huberman.

Der Physiologische Seufzer ist eine Mini-Erholung für die Atemmechanik und das vegetative Nervensystem.

Der physiologische Seufzer gehört zu den Übungen für Stressbewältigung und Entspannung. Er aktiviert diejenigen Neuronen im Gehirn, die für Beruhigung zuständig sind.

→ Eine sehr ähnliche Atemtechnik empfiehlt sich auch zur Selbstbehandlung von aktutem Seitenstechen.

Bei dieser Atemtechnik atmest du zweimal hintereinander ein, danach verlängert aus. Das erste Einatmen ist länger als das zweite. Das Ausatmen dauert länger als beide Einatmungen zusammen.

Der physiologische Seufzer hilft, kollabierte und brach liegende Lungenbläschen wieder aufzupusten und fördert die Sauerstoffaufnahme sowie die CO₂-Abgabe.

Aus osteopathischer Sicht funktioniert der physiologische Seufzer wie ein Reset-Knopf: Atemwege und -muskulatur können kurzfristig entspannen. Das allgemeine Loslassen hilft uns, anschließend gelöster wieder einatmen zu können.

Er ist ein guter erster Schritt, um aus einem fokussierten Stressmodus herauszutreten. Du kannst dann weitere Atemübungen anschließen.

Der physiologische Seufzer hilft dir, deine Durchblutung zu verbessern und dein Zwerchfell zu entspannen.

Der Reset führt zu einer kurzfristigen Entspannung des gesamten Zentralgeflechts mit Auswirkung auf den ganzen Körper, das Herzkreislaufsystem und den venösen Rückstrom.

Motor des Zentralgeflechts ist das Zwerchfell, unser Hauptatemmuskel. Durch das vertiefte Einatmen nach unten in den Bauch zieht es sich besonders stark zusammen. Durch das Seufzen entspannt es sich schlagartig, der Körper wird so automatisch in den Entspannungsmodus versetzt. Der Vagusnerv, ein Teil des vegetativen Nervensystems wird dabei stimuliert.

Je tiefer wir einatmen und je mehr Luft wir aufnehmen, umso leichter können wir auch tief ausatmen. Das wiederum macht die Atemmechanik beweglicher und hilft uns, befreiter zu atmen. Durch das stärkere Ein- und Ausatmen fördern wir das Lungenvolumen (mehr Lungenbläschen).

Schritt für Schritt:

  • stell oder leg dich hin (im sitzen können wir nicht maximal tief einatmen)
  • atme normal durch die Nase ein
  • nach dem normalen Einatmen atmest du direkt ein zweites Mal mit etwas mehr „Schwung“ vertiefend ein (das eröffnet brach liegende Lungenbläschen)
  • atme mit einem hörbaren (gerne erleichtert klingenden) Seufzer durch den Mund aus
  • wiederhole das gerne mehrmals – bei wenig Zeit sind ein bis drei Durchgänge aber bereits ausreichend.

Wenn du diese Übung häufiger durchführst, lernt dein Körper, dabei zu entspannen – reflexartig geht er in den Entspannungsmodus, weil er das Ergebnis bereits zu Beginn der Übung vorwegnimmt. Eine tolle Chance also, den Körper mit wenig Aufwand zu Stressreduktion und Entspannung zu verhelfen.

Solltest du Atemwegserkrankungen haben oder dich in einer Situation befinden, die Stress oder Panik verursachen könnte, wende die Übung bitte vorsichtig an. Achte bei allen Atemübungen bitte auf deine eigene Reaktion: bei Unbehagen oder Atembeschwerden passe sie an oder brich sie ab. Im Zweifel hole dir ärztlichen Rat.


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