Wenn Schmerzen oder andere Beschwerden real sind, die schulmedizinischen Befunde aber ausbleiben, spricht man oft von funktionellen Erkrankungen, funktionellen Beschwerden oder funktionellen Störungen. Gemeint ist damit im Kern das Gleiche: Die Funktion im Körper ist gestört, ohne dass ein klarer Schaden sichtbar ist. Genau hier setzen mein Team und ich als Experten für körperlich-funktionelle Ursachen an und schauen auf Spannungsmuster, Beweglichkeit und das Zusammenspiel der Körpersysteme statt nur auf das Bild oder das Labor.
Auf einen Blick: funktionelle Beschwerden kurz erklärt
- Beschwerden sind real, aber in MRT, Röntgen oder Blutbild oft nicht eindeutig sichtbar.
- Typisch sind Schmerzen, Verspannungen, Atem- und Verdauungsprobleme, Erschöpfung oder Schwindel ohne klaren Befund.
- Ursache ist eine gestörte Funktion im Zusammenspiel der Körpersysteme, nicht unbedingt ein beschädigtes Organ.
- Mein Fokus liegt auf den körperlich-funktionellen Ursachen: Spannungsmuster, Zwerchfell, Zentralgeflecht, Kiefer, Wirbelsäule und Becken.
Typische Symptome funktioneller Beschwerden
Funktionelle Beschwerden können sich sehr unterschiedlich äußern.
Typisch ist: Du spürst deutlich etwas. Trotzdem sind Befunde in MRT, Röntgen oder Blutbild oft unauffällig oder passen nicht zu deinen Symptomen.
- anhaltende Muskel- und Gelenkschmerzen ohne klaren bildgebenden Befund (zum Beispiel Rücken, Hüfte, Knie, Schulter)
- wiederkehrende Verspannungen in Nacken, Brustkorb, Bauch oder Becken, oft wechselnd und ohne ersichtlichen Anlass
- Verdauungsprobleme wie Blähbauch, Völlegefühl, Durchfall oder Verstopfung ohne entzündliche oder strukturelle Ursache
- Herz-Kreislauf-Beschwerden wie Herzklopfen, Herzrasen, Schwindel oder Benommenheit bei unauffälliger kardiologischer Abklärung
- Atemprobleme wie Kurzatmigkeit, Engegefühl im Brustkorb oder das Gefühl „nicht richtig durchatmen zu können“, obwohl Lunge und Herz als gesund gelten
- diffuse Druckgefühle, Kribbeln, Taubheitsgefühle oder „innere Unruhe im Körper“, die sich nicht eindeutig zuordnen lassen
- Erschöpfung, schnelle Überlastung und das Gefühl, „aus dem Gleichgewicht“ zu sein, obwohl alle Standardwerte in Ordnung sind
In der Schulmedizin gelten viele dieser Beschwerden als funktionelle Beschwerden oder funktionelle Körperbeschwerden. In unserer Praxis schauen wir dabei besonders auf die körperlich-funktionellen Ursachen im Hintergrund – also auf Spannungsmuster, das Zusammenspiel von Zentralgeflecht, Zwerchfell, Kiefer, Wirbelsäule und Becken.
Ursachen funktioneller Beschwerden aus körperlicher Sicht
Bei funktionellen Beschwerden wird oft schnell von „psychisch bedingt“ gesprochen. Aus unserer Sicht greift das zu kurz.
Stress und Emotionen spielen sicher eine Rolle. Im Körper zeigen sie sich über konkrete Spannungsmuster und Bewegungsstörungen. In unserer Praxis schauen wir daher zuerst auf die körperlich-funktionellen Ursachen: Wie bewegt sich dein Zwerchfell, wie frei arbeitet das Zentralgeflecht, wie gut können Kiefer, Wirbelsäule und Becken Spannungen ausgleichen.
Zentralgeflecht als Körperkern
Im Zentrum deines Körpers treffen wichtige Gefäße, Nerven, Organe und Faszienstrukturen aufeinander. Dieses Netzwerk bezeichne ich als Zentralgeflecht.
Wenn hier zu viel Spannung entsteht oder Beweglichkeit verloren geht, beeinflusst das den gesamten Körper. Atmung, Kreislauf, Verdauung, Haltung und Muskelspannung geraten aus dem Gleichgewicht. Viele funktionelle Beschwerden haben hier ihren Ursprung, auch wenn du sie erst später in Rücken, Knie, Kopf oder Bauch spürst.
Zwerchfell als Motor der inneren Bewegung
Das Zwerchfell ist nicht nur ein Atemmuskel, sondern eine Art innerer Motor. Mit jedem Atemzug verändert es die Druckverhältnisse im Brust- und Bauchraum und bewegt Organe, Gefäße und Faszien. Ist das Zwerchfell in seiner Bewegung eingeschränkt, kann das zu Engegefühlen, Atemproblemen, Verdauungsstörungen, Rückenschmerzen oder Kreislaufbeschwerden beitragen. In unserer Arbeit prüfen wir deshalb sehr genau, wie gut dein Zwerchfell tatsächlich arbeitet und wie frei sich dein Brustkorb und Bauchraum mitbewegen.
Kiefer und Kaumuskulatur als Spannungsverstärker
Der Kiefer ist eng mit Schädel, Nacken, Brustkorb und sogar dem Becken verbunden. Knirschen, Pressen, Fehlbiss oder lange zahnärztliche Behandlungen können dazu führen, dass sich Spannungen über Faszien und Muskeln im ganzen Körper verteilen. Funktionelle Beschwerden wie Nackenprobleme, Kopfschmerzen, Schwindel oder Ohrgeräusche haben deshalb nicht selten eine Kieferkomponente. Unser Team achtet bei der Untersuchung immer mit darauf, wie entspannt oder verspannt dein Kieferbereich ist.
Wirbelsäule und Becken als Ausgleichssystem
Wirbelsäule und Becken sind oft nicht die eigentliche Ursache, sondern versuchen Spannungen aus dem Körperkern auszugleichen. Wenn Zentralgeflecht, Zwerchfell oder Kiefer aus dem Gleichgewicht geraten, reagieren Wirbelgelenke, Beckenstellung und Muskelketten mit. Das kann zu funktionellen Beckenschiefständen, scheinbaren Beinlängendifferenzen oder wiederkehrenden Rücken- und ISG-Beschwerden führen. In unserer osteopathischen Diagnostik schauen wir deshalb nicht nur auf die schmerzende Stelle, sondern immer auf die gesamte Funktionskette.
So entsteht aus mehreren scheinbar „kleinen“ Funktionsstörungen ein komplexes Beschwerdebild. Gerade bei funktionellen Beschwerden ist es entscheidend, diese Zusammenhänge zu erkennen, statt nur einzelne Symptome zu behandeln.
Diagnose: Wie funktionelle Beschwerden erkannt werden
Bevor von funktionellen Beschwerden gesprochen werden kann, muss immer zuerst geklärt werden, ob eine gefährliche Erkrankung vorliegt oder nicht.
In der Schulmedizin geschieht das über eine ausführliche Anamnese und eine körperliche Untersuchung. Je nach Situation kommen Labor, Ultraschall, Röntgen, MRT oder andere bildgebende Verfahren dazu. Finden Ärztinnen und Ärzte dabei keine eindeutige Ursache, ordnen sie viele Symptome als funktionell ein.
Für mich und mein Team ist das häufig der Einstieg: Wir übernehmen die Körperdiagnostik dort, wo die klassischen Befunde aufhören. Statt nur nach Schäden oder Entzündungen zu suchen, prüfen wir:
- wie sich dein Körper insgesamt bewegt und wie belastbar er ist
- ob es Bereiche mit deutlich erhöhter Spannung, Druckempfindlichkeit oder eingeschränkter Beweglichkeit gibt
- wie gut dein Zwerchfell arbeitet und ob das Zentralgeflecht frei mitatmen kann
- wie Kiefer, Wirbelsäule und Becken Spannungen aus dem Körperkern ausgleichen oder verstärken
- ob es Funktionsketten gibt, die deine Beschwerden erklären, auch wenn die schmerzende Stelle selbst unauffällig wirkt
So entsteht ein Bild, das über einzelne Laborwerte hinausgeht. Gerade bei funktionellen Beschwerden ist es entscheidend, das Zusammenspiel der Körpersysteme zu verstehen. Erst wenn klar ist, wo die Funktion gestört ist, kann eine gezielte Behandlung geplant werden – egal ob es um Atmung, Verdauung, Schmerzen oder anhaltende Verspannungen geht.
Was du bei funktionellen Beschwerden selbst tun kannst
Funktionelle Beschwerden sind echte körperliche Probleme – auch wenn Befunde oft unauffällig sind.
Es geht also nicht darum, deine Symptome „wegzureden“. Wichtiger ist, sie zu verstehen und Schritt für Schritt Einfluss zu nehmen. Ein Teil der Arbeit findet in der Behandlung statt, ein anderer Teil in deinem Alltag.
- Warnsignale ernst nehmen: Starke, plötzlich auftretende Beschwerden, Lähmungen, Atemnot, Brustschmerzen oder akute Verschlechterungen gehören zuerst zum Arzt oder in die Notaufnahme – auch dann, wenn du vermutest, dass es „nur funktionell“ ist.
- Bewegung statt Schonhaltung: Viele funktionelle Beschwerden verschlechtern sich, wenn du dich aus Angst vor Schmerz immer weniger bewegst. Sanfte, regelmäßige Bewegung hilft dem Körper, Spannungen abzubauen und Funktionen zu normalisieren.
- Atmung beobachten: Achte im Alltag darauf, ob deine Atmung eher flach im Brustkorb hängen bleibt oder ob Bauch, Flanken und Rücken mitatmen. Eine eingeschränkte Zwerchfellbewegung ist ein häufiger Verstärker funktioneller Beschwerden.
- Positionen variieren: Langes Sitzen in immer der gleichen Haltung fördert starre Spannungsmuster. Steh regelmäßig auf, verändere deine Position, geh ein paar Schritte, streck dich – dein Zentralgeflecht braucht Bewegung.
- Stress realistisch einordnen: Stress ist kein „psychischer Stempel“, sondern wirkt direkt auf Atmung, Muskeltonus und Kreislauf. Wenn du unter Daueranspannung stehst, verändern sich die Spannungsverhältnisse im Körperkern – und damit oft auch deine Beschwerden.
Viele Menschen merken schon durch kleine Veränderungen im Alltag, dass funktionelle Beschwerden etwas nachlassen oder sich zumindest anders anfühlen. Wenn du gezielt an deiner Atmung und den Spannungsmustern im Körperkern arbeiten möchtest, können wir dich in unserer Praxis oder über passende Übungen und Atemtechniken dabei unterstützen.
Was sind funktionelle Beschwerden und funktionelle Erkrankungen?
Eine funktionelle Erkrankung oder funktionelle Beschwerde ist ein anhaltender körperlicher Zustand mit Schmerzen, Verspannungen oder anderen Symptomen. In der Diagnostik findet sich dabei keine ausreichende sichtbare Schädigung.
Im Alltag tauchen verschiedene Begriffe dafür auf – funktionelle Beschwerden, funktionelle Störung, funktionelle Erkrankung oder funktionelle Körperbeschwerden. Gemeint ist im Kern das gleiche: Der Körper arbeitet nicht mehr stimmig, obwohl im Bild oder Labor oft „alles in Ordnung“ scheint.
Der Begriff Funktion – kurz erklärt
Schauen wir uns zunächst kurz die Begrifflichkeit „Funktion“ an, um den Kontext von funktionellen Störungen besser zu verstehen:
Definition: Der Begriff „Funktion“ bezeichnet die Aufgabe oder Tätigkeit innerhalb eines größeren Systems oder Kontexts. Er beschreibt die spezifische Weise, wie etwas wirksam ist oder Aktionen ausführt, um einen bestimmten Zweck zu erfüllen.
Etymologie: Das Wort „Funktion“ stammt aus dem Lateinischen „fūnctio“ (Genitiv „fūnctiōnis“), was „Dienstverrichtung“ bedeutet. Es ist eng verbunden mit dem Verb „funktionieren“, das „reibungslos ablaufen“ oder „seiner Aufgabe gerecht werden“ impliziert. Historisch gesehen bezeichnet es auch die Rolle eines Beauftragten oder eines verantwortlichen Mitarbeiters innerhalb einer Organisation oder eines Verbandes.
Wie der Begriff Funktion bei Erkrankungen verwendet wird
Im Kontext funktioneller Erkrankungen bezieht sich der Begriff „Funktion“ auf die normalen oder erwarteten Operationen oder Leistungen eines Körperteils oder Systems. Eine Störung dieser Funktionen führt zu funktionellen Beschwerden oder Krankheiten, bei denen Abläufe im Körper gestört sind, ohne dass eine sichtbare Schädigung vorliegt.
Auswirkungen
Funktionelle Störungen können alle Körperfunktionen treffen. Dazu gehören alle Abläufe, die mit Bewegung oder Nervenimpulsen zu tun haben. Dazu gehören Muskelfunktionen, die Übertragung von Nervensignalen, die Regulation innerer Organe und die Ausführung automatischer Prozesse wie Atmung und Herzschlag.
Betroffene Bereiche
Funktionelle Störungen können fast jede Körperfunktion stören, die mit Bewegung oder Nervenimpulsen arbeitet. Dies umfasst, ist aber nicht beschränkt auf, das muskuloskelettale System, das nervöse System und die inneren Organe.
Bedeutung
Es ist wichtig, funktionelle Störungen zu erkennen und zu behandeln. Sie können die Lebensqualität stark einschränken, auch wenn es keine sichtbaren Anzeichen oder Schäden an Organen gibt.

Was funktionelle Erkrankungen auslösen
Bevor klar ist, dass es sich um eine funktionelle Beschwerde handelt, herrschen oft Frustration, Enttäuschung oder gar Resignation. Dies entsteht, wenn
- funktionelle Beschwerden nicht als solche gedeutet oder übersehen werden.
- die Zusammenhänge der funktionellen Beschwerden nicht erkannt werden.
- die Therapie nicht den Verursacher der funktionellen Beschwerden präzise trifft, sondern sich nur um die Symptome kümmert.
Funktionsproblem oder funktionelles Syndrom?
Im Alltag wird oft von „funktionellem Syndrom“ gesprochen – zum Beispiel Reizdarmsyndrom, Fibromyalgiesyndrom oder chronisches Schmerzsyndrom. Ein Syndrom beschreibt eine Kombination verschiedener Symptome, die häufig gemeinsam auftreten, ohne dass eine klare strukturelle Ursache gefunden wird.
Aus körperlicher Sicht steckt dahinter meistens ein oder mehrere Funktionsprobleme: Bereiche im Körper, die zu viel Spannung halten, zu wenig Beweglichkeit haben oder nicht mehr gut miteinander zusammenspielen. Das können Muskeln, Faszien, Gelenke, Organe oder Gefäße sein – oft in Kombination.
- Ein Funktionsproblem bedeutet: Ein bestimmter Bereich oder eine Struktur arbeitet nicht mehr so, wie sie soll (zum Beispiel ein „steifes“ Zwerchfell, ein blockiertes Becken oder ein überlasteter Kiefer).
- Ein funktionelles Syndrom bedeutet: Mehrere dieser Funktionsprobleme wirken gleichzeitig zusammen und erzeugen ein größeres Beschwerdebild.
- In vielen schulmedizinischen Diagnosen verfolgen Ärztinnen und Ärzte diese Zusammenhänge nicht bis zum Ende, weil im Bild oder Labor nichts „Kaputtes“ zu sehen ist.
Für uns in der Praxis ist es wichtig, beides zu sehen: das große Bild der Beschwerden (Syndrom) und die konkreten Funktionsprobleme im Körper, die dahinterstehen. Nur wenn wir die entscheidenden Funktionsstörungen finden, können wir an den Ursachen ansetzen – und nicht nur am Etikett der Diagnose.
Diagnose und Behandlung
Die Diagnose funktioneller Erkrankungen gestaltet sich zumeist schwierig, weil die Ursachen der Beschwerden oft verdeckt liegen. Manchmal sind die Beschwerden so stark, dass Ärztinnen und Ärzte sie mit Bildgebung (MRT, Röntgen etc.) abklären müssen, um ernste Erkrankungen auszuschließen.
Ein gutes Verständnis von Anatomie, Körperfunktionen und Bewegung ist nötig, um die Beschwerden richtig zu verstehen und zu behandeln. Auch ein geschicktes palpieren (Palpation) ist notwendig um unsichtbare Beschwerden als solche zu erkennen. Osteopathie beschäftigt sich mit genau diesen Teilbereichen und ist gut zur Behandlung funktioneller Erkrankungen geeignet.
„Vor“- und Nachteile funktioneller Erkrankungen
Die „gute Seite“ an einer funktionellen Erkrankung ist, es liegt kein ernsthafter Schaden vor. Es ist also nichts kaputt, nur die Funktion des betroffenen Organs oder Bereichs ist gestört. Wenn die Ursache bekannt ist, fällt die Lösung leicht. Genau hier knüpft aber auch die negative Seite an. Die Ursache des Problems muss richtig erkannt und gedeutet werden, um sie effektiv zu therapieren.
Gemeinsamkeiten und Unterschiede von funktionellen und strukturellen Erkrankungen
Funktionelle und strukturelle Erkrankungen schließen sich nicht aus – sie können sogar gemeinsam auftreten. Entscheidend ist, zu verstehen, worum es im Kern geht:
- Strukturelle Erkrankung: Hier ist Gewebe sichtbar verändert oder geschädigt, zum Beispiel ein Bruch, ein Riss, eine Arthrose, eine Entzündung, ein Tumor oder ein deutlich verschlissener Knorpel.
- Funktionelle Beschwerde oder Erkrankung: Hier ist vorrangig die Funktion gestört – Spannung, Beweglichkeit, Koordination, Durchblutung oder Steuerung. Das Gewebe selbst kann weitgehend intakt sein, auch wenn du starke Beschwerden spürst.
- Grenzbereich: Viele Menschen haben strukturelle Veränderungen (z. B. Bandscheibenvorwölbung, Arthrose, kleine Risse), aber kaum Beschwerden – andere haben starke Beschwerden bei vergleichsweise unauffälligen Bildern.
Ein Vergleich hilft: Stell dir deinen Körper wie ein Auto vor. Strukturelle Schäden sind wie ein verbogener Rahmen oder ein gebrochener Achslenker: Hier ist etwas sichtbar kaputt. Funktionelle Probleme sind eher wie eine verstellte Spur, falsch eingestellte Stoßdämpfer oder ein dauerhaft überdrehter Motor. Das Auto fährt noch, aber es läuft nicht mehr rund und verbraucht mehr Energie. Es verschleißt an Stellen, die eigentlich gesund sein könnten.
Bei funktionellen Beschwerden schauen wir als Team deshalb genau hin, wie dein „System Körper“ eingestellt ist: Welche Bereiche arbeiten noch rund, welche sind überlastet, welche kompensieren ständig für andere. So ergänzen wir die klassische strukturelle Diagnostik um eine funktionelle Sichtweise, statt sie zu ersetzen.
Beispiel: einseitige Abnutzung eines Gelenks
Genau wie beim Auto kann sich auch im Körper eine „verstellte Spur“ bemerkbar machen. Ich sehe in unserer Praxis immer wieder Patienten mit einseitigem Knie- oder Hüftgelenkverschleiß: Auf der einen Seite zeigt das Röntgenbild deutliche Abnutzung, auf der anderen Seite wirkt das Gelenk strukturell fast unauffällig.
Niemand ist sein Leben lang nur auf einem Bein gehüpft. Viel wahrscheinlicher ist: Über Monate oder Jahre musste ein Gelenk eine funktionelle Beschwerdekette ausgleichen – zum Beispiel durch eine minimale Beinlängendifferenz, eine leichte Beckenverdrehung oder eine dauerhaft veränderte Zwerchfell- und Rumpfspannung. Das belastete Gelenk übernimmt mehr Arbeit, verschleißt schneller und zeigt später strukturelle Schäden.
Die Struktur – also das Gelenk – ist dann zwar verschlissen, aber die ursprüngliche Ursache lag im Funktionsproblem. Genau deshalb lohnt es sich, bei einseitigem Verschleiß immer nach funktionellen Ursachen im ganzen Körper zu suchen, statt nur das „kaputte“ Gelenk zu betrachten.
Vom Funktionsproblem zur strukturellen Veränderung – der typische Ablauf
Funktionelle Beschwerden entstehen selten von heute auf morgen. Häufig läuft im Körper ein Prozess ab, der sich grob in vier Phasen einteilen lässt:
- Auslöser: Ein Ereignis bringt die Funktion aus dem Gleichgewicht – zum Beispiel ein Sturz, ein Unfall, eine Operation, eine starke Belastungsphase oder Dauerstress.
- Funktionelle Beschwerde: Der Körper registriert die Irritation und reagiert mit Spannungen, Schonhaltungen oder veränderten Bewegungsmustern. Erste Symptome sind oft nur ein Ziehen, Steifigkeit am Morgen oder diffuse Missempfindungen – so leise, dass sie leicht übergangen werden.
- Verfestigung: Bleibt die Funktionsstörung bestehen, werden die Reaktionen deutlicher. Der Körper versucht, sich selbst zu schützen: Gelenke werden steifer, bestimmte Bereiche bewegen sich weniger, andere müssen mehr ausgleichen. Jetzt treten Schmerzen und Einschränkungen häufiger auf.
- Strukturelle Veränderung: Über längere Zeit kann aus diesem Dauerzustand eine strukturelle Erkrankung werden – zum Beispiel ein einseitiger Gelenkverschleiß, ein Bandscheibenvorfall oder eine dauerhafte Fehlstellung. Spätestens dann wird der Schaden auch im Röntgenbild oder MRT sichtbar.
Unser Ziel in der osteopathischen Arbeit ist es, funktionelle Beschwerden möglichst früh zu erkennen und zu behandeln – also in Phase 2 oder 3 –, damit es gar nicht erst zu schwerwiegenden strukturellen Schäden kommen muss oder vorhandene Schäden nicht noch zusätzlich angefeuert werden.
Beispiel Lendenwirbelsäule: vom Ziehen zum Bandscheibenvorfall
An der Lendenwirbelsäule zeigt sich dieser Ablauf besonders häufig. Am Anfang stehen oft unspezifische Spannungen: ein Ziehen im Rücken, Steifigkeit nach langem Sitzen, gelegentliche „Blockaden“. Viele Menschen ignorieren diese Signale oder gewöhnen sich an sie.
Bleiben diese Spannungsmuster über Jahre bestehen, verändert sich die Belastung der Bandscheiben und kleinen Wirbelgelenke. Es entsteht mehr Druck auf bestimmte Strukturen, andere Bereiche werden unterversorgt. Irgendwann tauchen im MRT oder Röntgen dann sichtbare Veränderungen auf – zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall oder deutlicher Verschleiß. Strukturell sichtbare Schäden sind dann die Folge einer lange übersehenen Funktionsstörung.
Warum funktionelle Beschwerden so oft falsch eingeordnet werden
Viele Betroffene mit funktionellen Beschwerden machen eine lange Odyssee durch: immer neue Untersuchungen, wechselnde Diagnosen, verschiedene Medikamente – und trotzdem keine echte Erklärung. Nicht, weil ihre Beschwerden „eingebildet“ wären, sondern weil der Blick auf die Funktion des Körpers oft zu kurz kommt.
Rückenschmerzen sind in Deutschland seit Jahren eine der häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit. Ein großer Teil dieser Beschwerden bleibt ohne klaren strukturellen Befund – und wird dann mit Schmerzmitteln, Injektionen oder pauschaler Physiotherapie behandelt. Das lindert häufig Symptome, ändert aber wenig an den eigentlichen Funktionsmustern im Körper.
In unserer Praxis haben wir uns darauf spezialisiert, diese körperlich-funktionellen Zusammenhänge ernst zu nehmen und systematisch zu untersuchen: Zentralgeflecht, Zwerchfell, Kiefer, Wirbelsäule und Becken. Unser Ziel ist es, nicht nur einen Namen für deine Beschwerden zu finden, sondern die entscheidenden Funktionsstörungen aufzuspüren, die sie auslösen oder am Laufen halten.
Je besser funktionelle Beschwerden verstanden und richtig gedeutet werden, desto einfacher ist es, passende Behandlungswege zu finden – und desto weniger Lebenszeit geht mit unpassenden Therapien verloren.
E-Book in Arbeit: funktionelle Beschwerden besser verstehen
In unserer Arbeit mit Patientinnen und Patienten sehen mein Team und ich jeden Tag, wie stark funktionelle Beschwerden den Alltag beeinflussen – gerade dann, wenn Befunde unauffällig sind und niemand die körperlich-funktionellen Ursachen richtig erklärt. Aus dieser Erfahrung entsteht aktuell ein E-Book, in dem ich zusammenfasse, wie funktionelle Beschwerden im Körper entstehen, welche Rolle Zwerchfell und Zentralgeflecht spielen und welche Zusammenhänge in der Schulmedizin oft zu kurz kommen.
Das E-Book richtet sich an Menschen, die ihre Beschwerden besser verstehen wollen, ohne in Fachchinesisch oder reine Psychoschubladen abzurutschen. Mein Ziel ist, dir und unserem Praxis-Team ein Nachschlagewerk an die Hand zu geben, das komplexe Zusammenhänge verständlich macht – und zeigt, wo körperlich-funktionelle Behandlung wirklich ansetzen kann.
Wenn du früh informiert werden möchtest, sobald das E-Book erscheint, kannst du dich auf die Warteliste setzen lassen.
Häufige Fragen zu funktionellen Beschwerden
Was sind funktionelle Beschwerden?
Funktionelle Beschwerden sind echte körperliche Probleme. In MRT, Röntgen oder Blutbild findet sich oft keine eindeutige Ursache. Die Funktion im Körper ist gestört – zum Beispiel Spannung, Beweglichkeit, Koordination oder Durchblutung –, ohne dass das Gewebe zwingend beschädigt ist. Typisch sind Schmerzen, Verspannungen, Atem- und Verdauungsprobleme oder Erschöpfung, bei denen du „nichts Richtiges“ im Befund zu hören bekommst.
Sind funktionelle Beschwerden nur psychisch?
Nein. Stress und Emotionen können funktionelle Beschwerden verstärken, aber sie entstehen im Körper über konkrete Spannungs- und Funktionsmuster. Dein Nervensystem, deine Atmung, das Zwerchfell, Faszien, Muskeln und Gelenke reagieren auf Belastungen – und genau dort setzen wir mit unserer Arbeit an. Mir ist wichtig: Deine Beschwerden sind real und nicht „eingebildet“, nur weil man sie im Bild oder Labor nicht sofort sieht.
Wie werden funktionelle Beschwerden festgestellt?
Zuerst müssen immer gefährliche Erkrankungen ausgeschlossen werden – das geschieht in der Regel beim Arzt über Anamnese, körperliche Untersuchung und gegebenenfalls Bildgebung oder Labor. Wenn Ärztinnen und Ärzte keine ausreichende strukturelle Erklärung finden, sprechen sie oft von funktionellen Beschwerden. In unserer Praxis prüfen wir dann gezielt Spannungsmuster, Beweglichkeit und das Zusammenspiel von Zentralgeflecht, Zwerchfell, Kiefer, Wirbelsäule und Becken, um die entscheidenden Funktionsstörungen aufzuspüren.
Was ist der Unterschied zwischen funktionellen und strukturellen Erkrankungen?
Bei strukturellen Erkrankungen ist Gewebe sichtbar verändert oder geschädigt – zum Beispiel ein Bruch, eine Entzündung, ein Riss oder deutlicher Gelenkverschleiß. Bei funktionellen Beschwerden ist vor allem die Funktion gestört: Muskeln, Faszien, Nerven, Gefäße oder Organe arbeiten nicht mehr stimmig zusammen, obwohl die Struktur weitgehend intakt sein kann. In der Praxis treffen wir oft Mischformen – strukturelle Veränderungen, die durch lange bestehende Funktionsstörungen entstanden sind oder von ihnen verstärkt werden.
Können funktionelle Beschwerden wieder verschwinden?
Ja, viele funktionelle Beschwerden sind grundsätzlich veränderbar, weil sie auf gestörten Funktionen und Spannungsmustern beruhen. Je früher wir diese erkennen und behandeln, desto größer ist die Chance, dass sich Symptome deutlich bessern oder ganz zurückgehen. Wichtig ist, nicht nur am Symptom zu arbeiten, sondern an den Ursachen – also am Körperkern, der Atmung, dem Zwerchfell und den Funktionsketten, die deine Beschwerden auslösen oder am Laufen halten.
Wie kann Osteopathie bei funktionellen Beschwerden helfen?
Osteopathie zielt darauf ab, Beweglichkeit, Spannungsverteilung und das Zusammenspiel der Körpersysteme zu verbessern. Mein Team und ich nutzen dafür unter anderem die Lockieren-Methode, bei der wir besonders auf Zentralgeflecht, Zwerchfell, Kiefer, Wirbelsäule und Becken achten. Ziel ist es, die Funktionsstörungen zu finden, die deine Beschwerden verursachen oder verstärken – und den Körper wieder in einen Zustand zu bringen, in dem er besser selbst regulieren kann.
Unsichtbare Beschwerden brauchen fühlbare Lösungen – entdecke, wo Osteopathie bei funktionelle Beschwerden helfen kann:
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