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Trommelfeueratmung

Trommelwirbel: Ausschnitt einer Trommel, die kräftig geschlagen wird mit kurzen wirbelartigen Schlägen. Trommelfeueratmung ist ähnlich vorstellbar – kurze schnelle Atemzüge, die das vegetative Nervensystem belasten und funktionelle Erkrankungen auslösen können.

Manche Gewohnheiten führen wir unbewusst aus. Oft ist das harmlos. Doch mit manchen Gewohnheiten fügen wir uns Schaden zu, ohne es zu bemerken. Ein solcher Schaden kann etwa entstehen, wenn wir über einen längeren Zeitraum – etwa stressbedingt – zu flach und schnell atmen. Wir nennen das „Trommelfeueratmung“. Kurz- bis mittelfristig ist das kein Problem.

Ein Problem wird es erst dann, sobald diese Form der Atmung über einen langen Zeitraum bestehen bleibt und selbst im Ruhezustand aus mehr als 16 Atemzügen pro Minute 1 besteht.

Problem: konstante Anspannung

Durch flache, schnelle Atmung wird unser vegetatives Nervensystem stimuliert. Die schnelle Atmung suggeriert dem Körper, sich konstant in einem Kampf- oder Fluchtmodus zu befinden. Unser Hauptatemmuskel, das Zwerchfell, befindet sich in dauerhafter Anspannung ohne die fehlende Entspannung.

Die ständige Anspannung verhindert die Entspannung. Übertragen auf diese Metapher heißt das: Eine Seite feuert ständig auf die andere, die keine Chance hat, sich dem zu entziehen. Über lange Zeiträume am Stück kostet dies zuviel Energie und macht uns krank: der Blutdruck steigt, die Atemfrequenz nimmt zu, der Muskeltonus wird höher.

Für dieses Phänomen hat der Kölner Osteopath Fabian Müller den Begriff „Trommelfeueratmung“ geprägt, um die fehlende Balance von An- und Entspannung zu verdeutlichen:

Trommelfeueratmung

Auf Ebene des vegetativen Nervensystems (Sympathikus) „feuert“ nur ein Teil, ohne dass der andere zum Zuge kommt. Das ist gut für Momente, in denen wir schnell reagieren können müssen, etwa in Gefahrensituationen (Kampf oder Flucht / fight or flight). Jetzt fließt das Blut in die Extremitäten, damit wir kämpfen, laufen, rennen können.

Wer zu kurz kommt, ist der Parasympathikus, der uns zur Ruhe kommen lässt. Er steuert körperliche Prozesse wie Verdauung, Sexualität, Entspannung und vieles mehr.

Mögliche Langzeitfolgen sind befundlose Symptome wie Verspannungen, Reizmagen, Reizdarm u.ä. funktionelle Erkrankungen. Sie sind nicht mit bildgebenden Maßnahmen wie Röntgen und MRT erkennbar.


1Beim Erwachsenen gelten allgemein hin 12-18 Atemzüge pro Minute als normal (Quelle: Wikipedia, Begriff: Atemfrequenz). Aus funktioneller Sichtweise betrachten wir die Grenze von 18 Atemzügen als zu hoch für die normale Ruheatmung. Aus unserer Sicht wird bei diesem Grenzwert das vegetative Nervensystem (Sympathikus) schon zu stark gereizt und trägt zur Anspannung des gesamten Körpers bei.