Wissen über intuitives manuelles Behandeln

Vollatmung

Ein Mann liegt auf dem Rücken, seine rechte Hand liegt auf seiner Brust, seine linke Hand auf dem Bauch. Er führt die sog. Vollatmung durch.

Die Vollatmung, auch bekannt unter Basisatmung oder Dirgha Pranayama, ist eine bewusste Verbindung verschiedener Atemformen, die den gesamten Atemraum von Bauch, Brust bis zum Schlüsselbein einbezieht. Sie ist bekannt für ihre Fähigkeit, das komplette Lungenvolumen zu aktivieren und wird daher auch als Yoga-Vollatmung in meditativen und yogischen Praktiken geschätzt.

Die Basisatmung kann als integrativ und verstärkend beschrieben werden, da sie die Qualitäten der tiefen Bauch-, mittleren Brust- und oberen Schlüsselbeinatmung vereint.

Sie ist ideal für Momente der Reflexion, Meditation und für Yoga-Praktiken.

Mental werden also Kopf (Hauptsitz des rationalen Denkens), Brustkorb (Hauptsitz der Emotionen im Herzbereich) sowie Bauchregion (Hauptsitz der Intuition bzw. des Bauchgefühls) im Sinne der „menschlichen Trisymmetrik“ angesprochen.

Bei der Vollatmung wird die Luft zunächst in den Bauch geleitet, füllt dann die Brust und zuletzt den Raum um das Schlüsselbein, wodurch eine tiefe und vollständige Atmung ermöglicht wird. Diese Atemtechnik erlaubt eine maximale Sauerstoffaufnahme und fördert eine gleichmäßige Verteilung der Luft in den Lungen.

Das Zwerchfell spielt eine Schlüsselrolle, indem es die Bauch- und Brustatmung verbindet und für eine tiefe Entspannung sorgt. Die Vollatmung verspricht einen Zustand tiefer Ruhe und Vitalität, der uns hilft, die Herausforderungen des Alltags mit Gelassenheit und Energie zu meistern.

Aus osteopathischer Sicht unterstützt die Vollatmung die harmonische Funktion des muskuloskelettalen Systems, indem sie für eine gleichmäßige Belastung und Entspannung innerhalb des gesamten Zentralgeflechts sorgt.

Die aktive Beteiligung des Zwerchfells und die weite Öffnung des Brustkorbs löst Verspannungen und stabilisiert die Wirbelsäule, wobei alle Atemmuskeln in einem harmonischen Verhältnis genutzt werden.

Die Besonderheit der Vollatmung liegt in der vertieften Atmung in alle Richtungen. Therapeutisch kann dies dazu genutzt werden, das Lungenvolumen bewusst zu vergrößern. Eine Studie1, die bereits über 75 Jahre Daten sammelt und auswertet, besagt unter anderem, dass die Lungengröße statistisch stärker mit der Lebenserwartung zusammenhängt als Gene, tägliche Bewegung oder Ernährung. Ein kleineres Lungenvolumen führt demnach auch zu einem kürzeren Leben.2

Beginne damit, entspannt zu liegen, sitzen oder stehen. Atme entspannt durch die Nase ein.

  • Lasse zuerst deinen Bauch sanft ausdehnen,
  • hebe dann die Brust
  • und weite zum Schluss deine Schlüsselbeinregion, ohne dabei die Schultern krampfhaft hochzuziehen.
  • Beim Ausatmen folge der umgekehrten Reihenfolge: Lasse zuerst das Schlüsselbein sinken, entspanne die Brustregion und lasse zum Schluss die Luft aus dem unteren Bauch passiv entweichen. Diese fließende Bewegung ermöglicht eine tiefe und „runde“ Atmung.

Lege deine Hände unterstützend auf die Brust- und Bauchregion. Sie geben dir ein direktes, spürbares Feedback. So kannst du genau wahrnehmen, wie sich der Atem bei der Übung ausbreitet und wieder abflacht.

Es lohnt sich, die Vollatmung bewusst für einige Minuten zu trainieren und mit zunehmender Übung die Dauer zu verlängern. Zu Beginn besteht die Gefahr der Verkrampfung, wenn du diese Übung längere Zeit am Stück anwendest.

Auch wenn die Vollatmung viele positive Effekte hat, solltest Du sie mit Bewusstsein und ohne Überanstrengung praktizieren. Personen mit Atemwegserkrankungen oder anderen gesundheitlichen Einschränkungen sollten vor der Anwendung Rücksprache mit einem Arzt halten.

  1. Framinghamstudie ↩︎
  2. Diese Erkenntnisse werden unter anderem von James Nestor, einem amerikanischen Autor, in seinem Buch „Breath/Atem – Neues Wissen über die vergessene Kunst des Atmens“ beschrieben. ↩︎

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