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Psoas

Frau auf Yogamatte in Sportkleidung kniet im Einbeinkniestand und dehnt dabei den Psoas.

Der Psoas – auch Hüftbeuger – ist ein wichtiger Muskel für tägliche Bewegungen wie setzen, aufstehen, gehen. Er gilt in manchen Lehren auch als „Seelenmuskel“. Schauen wir uns den Psoas genauer an: Wo liegt er, was macht er, mit welchen Beschwerden steht er im Zusammenhang?

Der Psoas – bestehend aus kleinem und großem Lendenmuskel, auch Psoas minor und Psoas maior – heißt zusammen mit seinem „Brudermuskel“ Iliacus auch Iliopsoas. Seine Hauptfunktion ist zum einen die Stabilisierung von Lendenwirbelsäule, Becken und Hüfte. Zum anderen ist er für die Beugung und Außenrotation des Hüftgelenks zuständig.

Das Zwerchfell, unser Hauptatemmuskel, liegt wie ein aufgespannter Regenschirm unterhalb der Rippen über die gesamte Breite des Rumpfes. Es endet in einem Schweif, der unten an der Wirbelsäule entlang verläuft. Beide Enden des Schweifes gehen jeweils in eine Seite des Psoas über: Er verknüpft an der Vorderseite rechts und links den Oberschenkelknochen mit der Wirbelsäule und dem Becken.

Im Idealfall ist der Hüftbeuger auf beiden Körperseiten gleichmäßig ausgeprägt, so dass die Hüftknochen parallel nach vorne ausgerichtet sind und den Körper symmetrisch aufrichten. Dominiert jedoch bei einseitiger Anspannung der Psoas auf einer Seite, geht der Körper in eine Seitneigung der Lendenwirbelsäule.

Bei beidseitiger Anspannung folgt eine „Verkürzung“, ein Zusammenziehen der Körpervorderseite – wir krümmen uns nach vorne. Insgesamt kommt es bei einer Dysbalance (zu stark/zu schwach) zu Problemen in Hüfte, Becken, vor allem jedoch in der Lendenwirbelsäule.

Abgesehen von Auswirkungen auf die Körperhaltung beeinflusst die Spannung des Psoas auch das Zwerchfell – umgekehrt wirken sich Anspannungen des Zwerchfells auf den Psoas aus.

Der Psoas ist somit ein Muskel, der in vielen Zusammenhängen des Körpers eine wichtige Rolle spielt – nicht nur aufgrund seiner zentralen Position als Bindeglied zwischen Ober- und Unterkörper. Manche Lehren schreiben ihm gar die Bezeichnung „Seelenmuskel“ zu.

Aus osteopathischer Sicht kommt diese Funktion eher dem Zwerchfell zu: Als unser Hauptatemmuskel reagiert es unmittelbar auf Stress, hängt mit der Verdauung zusammen, reguliert das vegetative Nervensystem und kann umgekehrt durch gezieltes Aktivieren und Ansteuern für Entspannung und Ruhe sorgen.

Der Psoas entspringt aus den Seitenflächen des zwölften Brustwirbelköpers und seitlich aus dem ersten bis vierten Lendenwirbel. Das ist genau die Region, wo auch das Zwerchfell einen Teil seines Ursprungs hat.

Dort, wo der Psoas entspringt, beginnt auch das Zwerchfell – beide gehen also eine Verbindung ein: Spannt das Zwerchfell an, zieht es am Psoas. Umgekehrt kann eine Spannung der Lendenwirbelsäule von unten das Zwerchfell beeinflussen – wie zwei Seile, die sich einen knöchernen Ansatz teilen.

Kann der Psoas nicht uneingeschränkt und symmetrisch seiner Arbeit nachgehen, kann dies zu funktionellen Beschwerden im Bewegungsapparat führen. Häufig sind

  • Rückenschmerzen vor allem im Übergang von Brust- zu Lendenwirbelsäule
  • Bewegungseinschränkungen der Lendenwirbelsäule mit und ohne Blockade der Gelenkstruktur
  • Beschwerden, die die Beine und das Becken betreffen (zum Beispiel Leistenschmerzen, Knieschmerzen beim Gehen)

Warum?

Die Nerven-Endungen für die unteren Extremitäten (Beine) treten aus dieser Lendenregion aus. Eine Verspannung in dieser Region irritiert die Nerven, die wiederum den Ober- oder Unterschenkel versorgen. So kann sich die Beinachse im Laufe der Zeit verändern.

Die Osteopathie hat zum Ziel den irritieren Muskel wieder zu normalisieren und angrenzende Blockaden zu lösen (wir nennen unsere Methode „Lockieren®“)

Was kann man selbst daheim tun um Psoasbeschwerden zu lindern?

Was kannst du selbst zu Hause tun, um Psoasbeschwerden zu lindern? Ein wesentlicher Ansatz ist die Kombination aus gezielter Dehnung und regelmäßiger Bewegung. Denn es heißt: „Nur ein gut durchbluteter Muskel ist ein gut funktionierender Muskel“.

Eine effektive Übung für den Psoasmuskel ist das Kniestrecken im Liegen: Leg dich auf den Rücken, zieh ein Knie sanft zur Brust, während du das andere Bein flach auf dem Boden ausstreckst. Während du diese Position für etwa 30 Sekunden hältst, achte darauf, tief, ruhig und „rund“ zu atmen. Dies verstärkt die Dehnung durch die Beteiligung des Zwerchfells und fördert eine zusätzliche Entspannung im Bereich des Psoas. Wechsle dann die Beine und wiederhole die Übung.

Was stresst den Psoas besonders?

Vor allem langes Sitzen beansprucht den Psoasmuskel stark. In der Sitzposition ist der Muskel häufig verkürzt und muss gleichzeitig die Lendenwirbelsäule stabilisieren. Diese Doppelbelastung kann zu Verspannungen im Psoasmuskel führen, was wiederum Beschwerden im unteren Rückenbereich verursachen kann. 

Der „Seelenmuskel“ Psoas beeinflusst maßgeblich Körperhaltung und Hüftbeweglichkeit. Er stabilisiert die Lendenwirbelsäule und reagiert sensibel auf Stressbelastungen, was zu Rückenschmerzen, Bewegungseinschränkungen und Beschwerden im Becken- und Beinbereich führen kann. Zur Entspannung und Unterstützung des Psoas helfen einfache Dehnübungen, wobei sanfte Dehnung und bewusste Atmung wesentlich sind. Langes Sitzen, das den Psoas konstant verkürzt und belastet, kann zu Verspannungen und Schmerzen führen.

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